Zeitzeugen-Forum

Samstag, 12.01.2019 – 10 bis 12 Uhr

Gespräche mit Zeitzeugen und Angehörigen der zweiten Generation, über deren Lebensgeschichte und Fragen der Gegenwart.

Dass es die Initiative !Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball seit 15 Jahren gibt, ist begründet in der Bitte und der Aufforderung der überlebenden Häftlinge der Konzentrationslager, alles zu tun, damit diese ungeheuerlichen Verbrechen nie wieder geschehen können.

Das Zeitzeugen-Forum eröffnet den 200 Versammlungsteilnehmer*innen die Möglichkeit, die (Lebens-) Geschichten von 10 Menschen kennenzulernen und mit diesen in einen Dialog zu treten.

Der Fokus des Dialogs liegt auf dem Lernen aus der Geschichte im Sinne einer Erziehung nach Auschwitz.

Die Zeitzeug*innen kommen aus Deutschland, Israel und der Schweiz. Sie werden Gäste der Versammlung sein und über das Zeitzeugen-Forum hinaus, den Teilnehmer*innen mit ihren Ideen und Vorstellungen beratend zur Seite stehen.  

 

Katharina Kerr
Katharina Kerr
, Aarau, Schweiz.  Journalistin, Politikerin, Tochter von Fritz (Friedrich) Kerr erzählt die Geschichte ihres Vaters . Geboren als Fritz Kohn am 2.04.1892 in Leopoldstadt, spielte der jüdisch-österreichischer Fußballnationalspieler u.a. für den Wiener AC und für Hakoah Wien. 1921 wechselte er in den Trainerberuf. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft warfen ihn die Stuttgarter Kickers 1933 aus dem Verein. Er rettete sich nach Argentinien ins Exil. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus kehrte er nach Deutschland zurück und trainierte u. a. eine Saison die Kickers aus Stuttgart.
Moderator: Lorenz Peiffer.

 

 

Andreas Hirsch

Andreas Hirsch , Enkel des deutschen Nationalspielers jüdischer Herkunft, Julius Hirsch, erzählt die Geschichte seines in Auschwitz ermordeten Großvaters. Er berührt die Familiengeschichte und beschreibt, welche Bedeutung das Schicksal seines Großvaters für die Familie Hirsch bis heute hat und welche politischen Implikationen sich daraus ergeben auch im Blick auf den deutschen Fußball. Moderator: Marc Teuku

 

 

Ernst Grube wurde im Alter von 13 Jahren, zusammen mit seinen beiden Geschwistern und seiner Mutter, nach Theresienstadt deportiert. Nach der Befreiung kickte er u. a. beim TSV München von 1860. Seit vielen Jahren engagiert er sich im Kampf gegen Militarismus, Antisemitismus und den latenten und aktuellen Rechtsradikalismus. Er ist Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau. Moderatorin: Ulla Hoppen

 

 

Tamar Dreifuss, in Wilna am 20. 03.1938 geboren. Sie und ihre Mutter überlebten das Ghetto in Wilna. Über ihre Rettungsgeschichte schrieb sie ein Buch für ihre Enkelkinder „Die wundersame Errettung der kleinen Tamar 1944“. Zwei Schulen haben das Leben von Tamar Dreifuss in sehr  beachteten Theaterprojekten dargestellt. Moderatorin: Angelika Ribler

 

 

Josef Pröll jun., Sohn von Anna und Josef Pröll, kommunistische Widerstandskämpfer*in und KZ-Häftlinge. Er erzählt die Geschichte seiner Mutter, einer deutschen Widerstandskämpferin. Als Jugendliche war sie im Augsburger Widerstand aktiv. 1934 verurteilte man sie wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu einer Haftstrafe von insgesamt 21 Monaten Gefängnis. Nach ihrer Entlassung kam sie als Schutzhäftling in die Konzentrationslager Mohringen und Ravensbrück. Zusammen mit ihrem Mann engagierte sie sich bis zu ihrem Tod als Aktivistin und Zeitzeugin im Sinne einer „Erziehung nach Auschwitz“. Moderator: Jörg Stenzel

 

 

Zvi Cohen, in Berlin als Horst Kohn am 31. 05. 1931 geboren, erlebte als Kind Ausgrenzung, Isolation und Bedrohung in einer Berliner Dachwohnung. Zusammen mit seinen Eltern wurde er nach Theresienstadt deportiert. Seine Geschichte erzählt er seit einigen Jahren dem U 18-Team des DFB, dem Trainerstab und der DFB-Delegation beim jährlichen Freundschaftsturnier in Israel. In einem sozialistischen Kibbuz aufgewachsen, lebt er dort als engagierter Zeitzeuge. Er kommt zusammen mit seinem Bruder Abi zur Versammlung. Moderator: Eberhard Schulz

 

 

Trude Simonsohn, geb. am 25. 03. 1921, war Sozialarbeiterin und überlebte Auschwitz. Wegen angeblichen Hochverrats und illegaler kommunistischer Tätigkeit wurde sie verhaftet. Nach mehreren Monaten Einzelhaft wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Zusammen mit ihrem Mann, beide heiraten dort, verbrachte man sie im Oktober 1944 nach Auschwitz. Trude wurde im KZ Merzdorf und ihr Mann im KZ-Außenlager Kaufering befreit. Sie ist eine begnadete Fürsprecherin für eine humane und gerechte Zivilgesellschaft. Moderator: Matthias Thoma

 

 

Eva Szepesi wurde als Eva Diamant in Budapest am 29. 09. 1932 geboren. Ab 1944 musste sie und ihre Familie den Judenstern tragen. Auf der Flucht mit ihrer Tante wurde sie gefangen genommen und nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie gehörte zu den 400 Kindern, die Auschwitz überlebt haben. Ihre Geschichte hat sie in dem autobiographischen Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht“ aufgeschrieben. Bis zum heutigen Tage ist sie in Schulen als Zeitzeugin tätig. Moderatorin: Nina Catharine Reip

 

 

Oded Breda, 64 Jahre, wurde in Israel geboren. Seinem Vater gelang 1939 die Flucht nach Palästina. Dessen Familie wurde nach Theresienstadt verschleppt und in Auschwitz ermordet. Der Vater konnte über die Tragödie mit seinem Sohn nicht sprechen. Oded begann mit seiner Spurensuche in Theresienstadt. Was er dort auch fand: den Fußball und die Idee zu Liga Terezin. Das Dokumentarfilm-Projekt LIGA TEREZIN ist eine Antwort auf das Schicksal der Familie seines Vaters.  Er arbeitet als Direktor von Beit Theresienstadt, einem Museum und Bildungszentrum, das von Überlebenden des Ghettos in Israel gegründet wurde. Moderator: Tom Koster

 

 

Romani Oskar Rose, geb. am 20. 08. 1946 in Heidelberg, ist Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Seine Großeltern und weitere 11 Familienmitglieder wurden in Auschwitz und Ravensbrück ermordet. Sein Vater überlebte. 1980 kam es in der Versöhnungskirche auf dem Boden der KZ-Gedenkstätte Dachau zu einem weltweit beachteten Hungerstreik überlebender Sinti und Roma. Der Protest richtet sich gegen die Ausgrenzung und den latenten Rassismus, dem die deutsche nationale Minderheit der Sinti und Roma auch nach 1945 ausgesetzt war. Er war der Sprecher der Protestgruppe. Sein Engagement für den Schutz aller Roma vor Rassismus und Diskriminierung, sowie für die Aufklärung über Ausmaß und historischen Stellenwert des Porajmos, des Völkermords an den europäischen Sinti und Roma, brachte ihn auch mit dem Fußball in Berührung. Moderator: Klaus Schultz