Panel 3

Ungarn – 100 Jahre FC Bayern gegen MTK Budapest
Über die Geschichte und Aktualität von Antisemitismus im Fußball

Inputreferat und Diskussion

Am 27. Juli 2019 jährt sich zum 100sten Mal die Begegnung Bayern München gegen MTK Budapest. Dieses Spiel nimmt einen bedeutenden Platz in der Geschichte des FC Bayern ein. MTK, ein jüdisch geprägter Klub mit einem jüdischen Präsidenten, galt damals als beste Fußballmannschaft auf dem Kontinent und erteilte dem heutigen deutschen Rekordmeister eine Lehrstunde. Anschließend versuchten die Bayern das Spiel der Ungarn zu kopieren.

Fünf Tage nach dem Spiel in München wurde in Ungarn die Räterepublik zerschlagen – begleitet von einem antisemitischen Furor. Viele Juden verließen Ungarn, wovon insbesondere der Fußball in Deutschland, Österreich und Italien profitierte. Allein der FC Bayern wurde bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme viermal von Übungsleitern trainiert, die durch die MTK-Schule beeinflusst wurden und Juden waren.

Das Panel wird auch einen Bogen zur heutigen Situation schlagen. In Ungarn ist der rechte Nationalist und EU-Gegner Viktor Orban 2018 zum vierten Mal zum Ministerpräsidenten gewählt worden – auch mit Hilfe einer antisemitischen Kampagne. Orban ist Fußballfan. Fast alle bedeutenden ungarischen Fußballklubs befinden sich in den Händen von Günstlingen seiner Partei Fidesz.

Referenten: Dietrich Schulze-Marmeling und Andreas Wittner

Dietrich Schulze-Marmeling ist Publizist und Buchautor, veröffentlichte im Verlag Die Werkstatt unzählige Bücher, insbesondere im fußballhistorischen Kontext. „Der FC Bayern und seine Juden“ wurde 2011 als Fußballbuch des Jahres ausgezeichnet.

Andreas Wittner ist Archivar bei der FC Bayern Erlebniswelt. Dort ist er bis heute insbesondere für die Zeit im Nationalsozialismus zuständig und konzipierte die Wanderaustellung „verehrt – verfolgt – vergessen“.

 

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